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Heute

Produktionen

gebenedeit sei die wut deines leibes | festival

festival: lectures | lesungen | performances | musik


am 4. und 5. oktober 2019, jeweils um 20.00 uhr
ort: schauspielhaus, porzellangasse 19, 1090 wien


fr, 4. oktober 2019, 20.00 uhr

johannes ullmaier (mainz) – eröffnungslecture

stefanie sargnagel – liest philippiken von werner kofler u.a.

kabinetttheater, julia reichert – figurentheater. wut-dramolette aus der sfd-klasse mit antonio fian von harald jöllinger, beate mayr-kniescheck, neutro und mario schlembach.

GEWALT (berlin): patrick wagner, gitarristin helen henfling und bassistin jasmin rilke – musik

 

sa, 5. oktober 2019, 20.00 uhr

heidi kastner – gespräch und lesung

lydia haider – lesung

oswald wiener – lesung

natascha gangl & maja osojnik – musik/text-performance

 

nach “lachen” und “weinen” widmen wir uns heuer der politisch prekärsten aller gefühlswallungen: der wut. und ihrem nächsten affektiven verwandten: dem zorn.
“die wut des zeitalters ist tief” – so steht es in heimito von doderers roman die me­rowinger oder die totale familie, in dem der autor groteske und – so doderer – “völlig überzeichnete wut-therapien” beschreibt, die heute allerdings längst gängige praxis amerikanischer therapeuten sind. inklusive sogenannter wutmärsche mit der lizenz zum zerdreschen von geschirr und vasen. wir wollen all den ‘besorgten wutbürgern’ zornige autorInnen zur seite stellen, die vielleicht erklären können, wie deren erre­gung und hassausbrüche instrumentalisiert und stets in die falsche richtung kanali­siert werden. man darf die wut nicht denen überlassen, die sie einem menschenver­achtenden nationalismus zuführen wollen. literatur und musik können wut und zorn zum thema machen, sie können selbst ausdruck von wut und zorn sein, sind aber auch medien, die beides hinterfragbar, sichtbar und analysierbar werden lassen. in unserem fall tun dies diese großartigen autorInnen und musikerInnen:

 

johannes ullmaier – seit dem ersten sfd-festival von 2014 zum x-ten “tod des autors” verdichtet der mainzer literaturwissenschaftler und letzte universalgelehrte unseres vertrauens die jeweilige thematik zu grandiosen einführungsvorträgen. sollte es diesmal dem zorn- und zeit-diagnostiker peter sloterdijk an den kragen gehen, würde uns das auch nicht wundern.

stefanie sargnagel – wer könnte werner kofler, diesen angrifflustigsten unter den heimischen autoren, besser zum vortrag bringen als die wahrscheinlich angriffslustigste unter den heimischen autorInnen? gegeben wird eine lesung als "best of promineten-beschimpfung", bei der die verbalen watschen nur so kleschen. eigentlich bzw. uneigentlich, sicher jedoch mit grimmigem humor wird hergezogen über: michael jeannee, udo jürgens, nicki lauda, peter turrini, "die grazer dichtertrottel", den "kriegstreiber mock". und sogar oswald wiener (siehe samstag).

kabinetttheater – 4 wut-dramolette. prinzipalin julia reichert und ihr team insze­nieren übellaunige mikro-dramen, entstanden in der von antonio fian geleiteten sfd-klasse “die wut des zeitalters ist tief” (dramolette von: harald jöllinger, beate mayr-kniescheck, neutro/anna neuwirth & martin troger, mario schlembach). wir sind gespannt, ob die im kabinetttheater zum einsatz kommenden bewegten sachen auch als kathartische blitzableiter unserer erhitzten affekte taugen.

GEWALT – bandname sowie dessen dringliche groß­schreibung verheißen nichts gutes. “der name musste etwas sein, das keine ausreden zulässt”, sagt bandgrün­der patrick wagner, “wenn man GEWALT heißt, kann man unmöglich mediokre musik machen”. in diesem sinn tobt das berliner trio – wagner (voc, git), helen henfling (git), jasmin rilke (bg) – mit existentialistischer negation gegen die verheerende arschlöchrigkeit der welt. stur, giftig und böse – weil: “in mir wütet eine große zerstörungskraft”. recht so!

heidi kastner – die berühmte psychiaterin und foren­sische gerichtsgutachterin (u.a. im fall fritzl) verteidigt in ihrem buch wut. plädoyer für ein verpöntes gefühl diese normalerweise negativ konnotierte basisemotion, deren unterdrückung auf dauer mehr schaden anrichte als das “ausleben” dieser. fritz ostermayer spricht mit heidi kastner über kontrollierte und nicht mehr kontrollierbare formen unseres umgangs mit aggression.

lydia haider – wenn ein buch wahrlich fuck you du sau, bist du komplett zugeschissen in deinem leib drin heißt, dann schreit das geradezu nach einer performance seiner autorin bei unserem festival. lydia haider ist die meisterin zeitgenössischer wut­dichtung in der großen tradition österreichischer schimpf- und spottliteratur. alttes­tamentarische verfluchung gegen gott und die welt, das patriachat und flip-flops, vorgetragen in einem schon grotesk hehren prediger-duktus, zeugen vom gerechten zorn der autorin, ebenso wie von ihrem suprig bösen humor. uns bleibt zumindest homerisches kichern.

oswald wiener – nichts weniger als eine sensation! der sich längst von der literatur verabschiedet habende bewusstseinsforscher, selbstbeobachter und denkmaschi­nist mimt auf unser inständiges betteln noch EINMAL den avantgarde-dichter und avantgarden-zertrümmerer und liest aus seinem alles-andere-als-ein-roman-roman die verbesserung von mitteleuropa. und daraus das kapitel “purim. ein fest“, einer wüsten, heimito von doderer gewidmeten schimpf- und verdreschorgie der schamlo­sesten art. danach bleiben nur noch wutgebrüll und hassfrequenzen – mit:

natascha gangl/maja osojnik – ein auftragswerk des festivals an zwei großartige künstlerinnen, deren dichterisches und musikalisches schaffen immer wieder auf das schönste in rage und furor ausartet. die gebürtige steirerin gangl zetert eine verflucht poetische philippika (= “straf-, angriffs, brand- oder kampfrede”), die gebürtige slowenin osojnik gebietet dabei über ein arsenal verdammt gemeiner tonerzeuger. mehr wissen wir auch noch nicht, freuen uns aber sehr über ein paar was-auch-immer hinter die ohren. ARRRGH!



denn noch immer gilt: “anger is an energy” (john lydon vormals johnny rotten).

fritz ostermayer (kurator des festivals und künstlerischer leiter der sfd)

eine kooperation von schule für dichtung und schauspielhaus wien, sowie in zusammenarbeit mit dem kabinetttheater.

https://sfd.at/programm/2019/gebenedeit-sei-die-wut-deines-leibes

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Eintrittspreise für die Festivalabende am 4. und 5. Oktober 2019 im Schauspielhaus:

Tagesticket:
Normalpreis 12,-
U30 10,-


Erhältich an unserer Tages- und Abendkassa bzw. im Schauspielhaus-Büro oder online.

Kombiticket:
(beim Kauf von beiden Tickets auf einmal, nur im Schauspielhaus erhältlich bzw. via Email unter karten@schauspielhaus.at)
Normalpreis 20,-
U30 15,-

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