Johnny Breitwieser

© Robert Polster / Schauspielhaus / Martin Vischer, Nicola Kirsch© Robert Polster / Schauspielhaus / Martin Vischer, Gideon Maoz© Robert Polster / Schauspielhaus / Katja Jung, Florian von Manteuffel © Robert Polster / Schauspielhaus / Florian von Manteuffel, Martin Vischer© Robert Polster / Schauspielhaus / Franziska Hackl, Martin Vischer © Robert Polster / Schauspielhaus / Martin Vischer, Thiemo Strutzenberger, Franziska Hackl © Robert Polster / Schauspielhaus / Martin Vischer, Thiemo Strutzenberger© Robert Polster / Schauspielhaus / Katja Jung, Martin Vischer© Robert Polster / Schauspielhaus / Gideon Maoz, Nicola Kirsch, Florian von Manteuffel, Martin Vischer, Franziska Hackl
Eine Verbrecher-Ballade aus Wien
von Thomas Arzt und Jherek Bischoff (Komposition)
Regie: Alexander Charim

Premiere: 28. November 2014
URAUFFÜHRUNG

Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden 50 Minuten, eine Pause



Johnny Breitwieser liegt eine reale Biografie zugrunde: 1891 wird Johann Breitwieser in der Wiener Vorstadt in miserable Verhältnisse geboren; früh wird der Kleinkriminelle zum „Meidlinger Einbrecherkönig“, der den Reichen nimmt und den Armen gibt. Gefürchtet von Legislative und Exekutive, gelingt es ihm stets scheinbar mühelos, aus polizeilichem Gewahrsam zu entkommen und erfolgreich aus dem Untergrund zu operieren. Breitwieser inszeniert sich als Kunstfigur, arbeitet konsequent an der Ikonografie seiner Person: Revolutionär, Anarchist, Robin Hood des Proletariats, Gangsterboss, Dandy und zuletzt Bourgeois. Sein kurzes, wildes Leben zeigt ihn als Rebellierenden gegen die Verelendung im Wien des Ersten Weltkriegs. Er ist ein Getriebener, haltlos, gefährlich, unberechenbar. Auch in Freiheit (er-)kennt er keine Freiheit. 1919 wird er auf der Flucht erschossen und von den Volksmengen zum Märtyrer erkoren. Dass seinem Aufstieg von Anfang an der Absturz eingeschrieben ist, scheint Teil eines fatalen Gefüges, das den Untergang immer schon bedingt. Breitwiesers Strategien der (Selbst-)Inszenierung evozieren reiche Phantasien in armen Zeiten: Er wird zur Projektionsfläche. Thomas Arzt übersetzt die rasante Verbrechervita in eine knappe, bisweilen in Kunstdialekt gehaltene Abfolge von Bildern: eine für die Bühne konzipierte Ballade, die in der melancholisch-orchestralen Musik des jungen US-Pop-Komponisten Jherek Bischoff – mit Streichquartett und Percussion als Live-Elementen – ihre Formvollendung findet.
"Die Ballade Johnny Breitwieser changiert zwischen Moritat und Wienerlied, erinnert an die Dreigroschenoper und ist in ihrer Beschaffenheit doch etwas ganz Eigenständiges (...). Kühle Gangsterluft durchzieht die Musik des kalifornischen Komponisten Jherek Bischoff; sie bildet in ihren Rhythmen harte Gehsteigkanten ab und den aus Kanaldeckeln aufsteigenden Dunst der Unterwelt. (...) Das bewährte Ensemble des Wiener Schauspielhauses wusste diese Musik in ihrer szenischen Mitte beherzt aufzufangen (...). Charim hinterlegt eine Inszenierung, die sich naturalistischem Sozialkitsch entzieht (...). Eine dicke Spur aus Wut und Mut, aus großzügiger Liebe und Traurigkeit zieht Martin Vischer als Johnny Breitwieser durch den fast dreistündigen, durchgehend anrührenden Abend (und) beleuchtet seine Wiener Heldenfigur mit dem Glamour, der märtyrerischen Klassenkämpfern anhaftet. Franziska Hackl zeigt eine vielschichtige Anne, seine Braut; Thiemo Strutzenberger einen unheimlichen Bruder; Katja Jung eine verhärtete Geliebte; und Florian von Manteuffel formt schwungvoll das Profil der Sieger: der Polizeigewalt. Ein toller Abend, ein kleiner Meteor am Wiener Theaterhimmel."
Der Standard

"Der riskante Versuch ist geglückt. Das Vorhaben, aus einer realen Lebensgeschichte aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts "eine Verbrecher-Ballade aus Wien" zu machen, die im 21. Jahrhundert weder befremdlich noch nostalgisch wirkt, wurde bei der Uraufführung im Wiener Schauspielhaus bejubelt. (…) Der musikalische Teil des fast dreistündigen Abends ist bemerkenswert. Bischoff, der schon mit Amanda Palmer und David Byrne zusammengearbeitet hat, setzt auf eine Komposition, die sich genügend in die Gehörgänge schmeichelt, um zu erfreuen, aber auch genug Widerborstigkeit zeigt, um nicht einzulullen. Das famos agierende Streichquartett Ensemble LUX und Schlagzeuger Mathias Koch werden bei der Klangerzeugung vom Ensemble unterstützt, das einem von Ivan Bazak gebauten, die Bühne dominierenden, mittels gespannter Metall- und Gummifäden vielseitig einsetzbaren Metallrahmen schlagend und zupfend immer wieder prägnante Töne entlockt. Überhaupt, das Ensemble: Gespielt wird sowieso ausgezeichnet, aber (…) alle Stützen des Hauses bewältigen nicht nur die zwischen Verknappung und dialektaler Künstlichkeit schwankende Sprache des Textes, sondern auch die musikalischen Anforderungen der Songs – mit Mut zur Gebrochenheit und selbstbewusster Verweigerung jedes Virtuositäts-Anspruchs. (…) Regisseur Alexander Charim vermeidet in der raschen Abfolge von kurzen Szenen und kommentierenden Balladen Lokalkolorit und Sozialkitsch, sondern setzt vor dem behaupteten Hintergrund des proletarischen Elends vor und im Ersten Weltkrieg ganz auf das Zusammentreffen und die Reibung einzelner Figuren. Martin Vischer ist mehr ein Getriebener, der nichts mehr zu verlieren hat, als ein Gentleman-Gauner oder wienerischer Robin Hood. (…) Thiemo Strutzenberger brilliert als sein Bruder, eine mehrfach gebrochene Figur zwischen verhindertem Revolutionär, traurigem Engelmacher und verruchter Party-Schönheit. (…) Gideon Maoz als zum Verräter werdender Schützling und Florian von Manteuffel als immer am Rande der Lächerlichkeit balancierender Vertreter der Staatsmacht, Franziska Hackl als gefallenes Fräulein mit Horvath-Flair, Nicola Kirsch als desillusionierte Gefährtin und Katja Jung als Lady mit einer Schwäche für die kriminelle Versuchung komplettieren eine geschlossene Ensembleleistung, die am Ende zu Recht ausgiebig gefeiert wurde."
APA

"Protagonist der angenehm trockenen Inszenierung (Regie: Alexander Charim) ist nicht nur der tolle Martin Vischer, der den Johnny ganz weich und verloren spielt und doch auch gefährlich werden kann, sondern auch das genial einfache Bühnenbild von Ivan Bazak, eine Wand aus Drähten, die neben Räumen auch Klänge erzeugen kann."
Süddeutsche Zeitung

"Im Schauspielhaus gelingt mit Johnny Breitwieser ein herzzerreißender Abend. Sex, Crime und Action. Und ein soziales Anliegen. Das dem Meidlinger Verbrecherkönig Johann Breitwieser gewidmete Stück Johnny Breitwieser – Eine Verbrecher-Ballade aus Wien hat alles, was ein guter Abend braucht. Die von Thomas Arzt und Jherek Bischoff geschriebene und von Alexander Charim in Szene gesetzte Performance gelingt, nicht zuletzt dank des tollen Ensembles. (…) Der Abend betont Höhen und Tiefen und ist mitreißend – auch dank Bischoffs Musik, die einerseits vom Wienerlied inspiriert ist und zugleich klassische Musical-Songs bietet, allerdings in der subtileren Variante. (…) Ein Wunder, dass diese wahre Geschichte des „Wiener Robin Hood“ erst jetzt für die Bühne entdeckt wurde, denn sie ist bester Drama-Stoff. Thomas Arzt hat diese romantische, aber vorhersehbare Story vom kurzen Leben des kriminellen Volkshelden Johann „Johnny“ Breitwieser (Martin Vischer) klug dramatisiert: einerseits hat er sie durch drei symbolhafte Figuren bereichert – Anne, seine Liebe (Franziska Hackl), Greta, seine Sehnsucht (Katja Jung) und Luise, sein Volk (Nicola Kirsch), andererseits den klassischen Antagonismus Strizzi versus Kieberer (Florian von Manteuffel) klug unterstrichen. Durch Johnnys Bruder Karl (Thiemo Strutzenberger) kommt die soziale Komponente ins Spiel. Regisseur Charim verpasst der Verbrecherstory vor dem Hintergrund des ersten Weltkriegs einen bewusst anachronistischen, aber glaubwürdigen Film-Noir-Touch. Klassische Filmszenen, sexy und atemlos."
Kurier

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