Hunde Gottes

© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Katja Jung, Florian von Manteuffel© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Nicola Kirsch© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Florian von Manteuffel© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Katja Jung, Steffen Höld© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Gideon Maoz, Katja Jung, Steffen Höld© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Simon Zagermann, Nicola Kirsch© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Simon Zagermann, Katja Jung© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Katja Jung, Gideon Maoz
Hunde Gottes
von Thiemo Strutzenberger
Regie: Barbara Weber

URAUFFÜHRUNG
Premiere: 11. Oktober 2014

Aufführungsdauer: ca. 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Nominiert für das virtuelle nachtkritik.de-Theatertreffen: Hunde Gottes wurde zu einer der 45 wichtigsten Inszenierungen des Jahres 2014 gewählt!

Während die Eröffnungsproduktion dieser Spielzeit, Sinfonie des sonnigen Tages, die Gattung des musikalischen Melodrams aufgreift, bezieht sich Hunde Gottes allem voran auf das Hollywoodmelodram der 1950er-Jahre – auch wenn Rollennamen wie Dante Alighieri und Francesco Petrarca auf historische Figuren und somit auf das kulturgeschichtlich singuläre Florenz der Frührenaissance verweisen. Lange als „Hausfrauengenre“ desavouiert, als trivial, kitschig, sentimental, reaktionär verschrien, versucht das Filmmelodram vielmehr jene Problematik zu beschreiben, die entsteht, wenn soziale Anforderung und individueller Wunsch nicht zur Deckung gebracht werden können: Strutzenberger zitiert, analysiert und variiert Motive aus den Arbeiten Douglas Sirks, des zentralen Regisseurs jenes Genres, und arbeitet sich über eine Fülle von kultur- und filmtheoretischen Querverweisen ins Zentrum seines Neo-Melodrams vor; dabei denkt er in Hunde Gottes diese Form neu: als Spiel der Identitäten, als Vexierbild, als Maskerade, in der Geschlechterrollen und Hierarchien transformiert werden und sich als soziale Konstrukte erweisen.
"Die Schauspielerin Betty Alighieri (phänomenal in allen dramatischen Farben schillernd: Katja Jung) versucht ein Comeback, ihr Mann Dante (Steffen Höld) ist ein Architekt, der sich gern als Frau verkleidet. Der gemeinsame Sohn Leonardo (Gideon Maoz), der nicht zufällig den Vornamen da Vincis trägt, stammt vom Gärtner Mr. Deagan (Simon Zagermann) ab. Dieser hat seinerseits eine Tochter Laura (Nicola Kirsch), ein Straßenmädchen, das dem schlichten, warmherzigen, aber armen Vater entfliehen und in die Welt der Reichen vordringen möchte. Das gelingt Laura auch, der Architekt Francesco Petrarca (köstlich cowboyhaft: Florian von Manteuffel) interessiert sich für sie; es ist aber nicht sicher, ob Dantes bester Freund und Chef nicht letztlich an Betty und Dante in mehr als nur freundschaftlicher Weise stärker gebunden ist als an hübsche Mädchen, die Probleme machen, sobald man sie geheiratet hat. (…) Die Schauspieler und Webers lebendige, stilsichere Regie, die nicht nur Cineasten erfreuen dürfte, sorgen für 90 überwiegend kurzweilige Minuten. (…) Ein reiches, auch formal interessantes, vielleicht sogar zukunftsweisendes Kunstwerk ist Hunde Gottes allemal. Viel Applaus."
Die Presse
 
"Nach The Zofen Suicides und dem gefeierten Queen Recluse legt Thiemo Strutzenberger am Schauspielhaus, wo er auch zum Spielerensemble gehört, sein drittes, famoses Stück vor. (…) Regisseurin Barbara Weber hat reichlich aus Strutzenbergers Vorlage geschöpft und eine aufregende Inszenierung arrangiert, die Stoff bietet und zu Momenten erschütternder Wahrhaftigkeit vordringt."
Der Standard

"Das Melodram ist so etwas wie das verstoßene Kind der Filmgeschichte. Einstmals ganz nah am Herzen, ist es irgendwann in Ungnade gefallen. (…) Wenn in Thiemo Strutzenbergers Stück Hunde Gottes das Genre des Melodrams wieder aufgewärmt wird, dann ist das weniger eine Rehabilitation als das Spiel mit einer Form, die uns zwar fremd geworden ist – aber trotzdem keine Erklärung braucht. Eine ehemalige Schauspielerin gesteht ihrem Sohn, dass sein Vater nicht sein wirklicher Vater ist. Der Gärtner ist es. Der Vater wiederum beichtet, dass er bis heute von den Zerrbildern des Krieges heimgesucht wird. Die Geständnisse, die normalerweise das Ende eines Melodrams markieren, stehen am Anfang von Strutzenbergers gefinkeltem Stück. (…) So simpel die Schablone funktioniert, in die der Autor sein Stück gießt, so viele Böden hat sie. (…) Neben seiner Theorieversessenheit zeugt Hunde Gottes auch von einer veritablen Theaterpranke. Sie wird von Barbara Weber noch einmal betont. Die Regisseurin hat das Stück klug entfranst und in eine komprimierte spielfilmlange Form gebracht. Auf den Exkurs folgt die Pointe, auf den Kommentar der Slapstick. Gespielt wird auf den Trümmern des klassischen Bildungskanons, und das im durchaus wörtlichen Sinne: Bühnenbildner Johannes Weckl hat einen rissigen David-Kopf auf die Bühne des Schauspielhauses gewuchtet, im Hintergrund liegt eine umgestürzte Marmorsäule. Sie dienen den famosen Schauspielern als Material, so wie alles andere auch an diesem Abend. Katja Jung gibt als Betty Alighieri eine Filmdiva in Großaufnahme, Simon Zagermann den Gärtner als muskelbepacktes Abziehbild. Steffen Höld kleidet seine Trauer über den verflossenen Kriegskameraden in das Gewand einer italienischen Witwe, Florian von Manteuffel (Francesco Petrarca) ist der Chef mit Cowboyhut."
Theater heute
Die Fotos dürfen honorarfrei ausschließlich für Pressezwecke im Rahmen der Berichterstattung über das Schauspielhaus Wien verwendet werden.

Derzeit keine weiteren Termine. Abonnieren Sie unseren Newsletter, um über Wiederaufnahmen informiert zu werden!"
 
 


facebook           twitter           YouTube
 



Bg