Wie Mücken im Licht

© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Gideon Maoz© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Gideon Maoz© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Gideon Maoz
von Anne Habermehl
Regie: Anne Habermehl

Premiere: 9. Oktober 2013
URAUFFÜHRUNG

Vorstellungsdauer: ca. 1 Stunde

Anne Habermehl, Hausautorin dieser Spielzeit, spannt in ihrem Triptychon einen Bogen vom Jahr 1918 bis in unsere unmittelbare Gegenwart: Wien, kurz nach der Oktoberrevolution – ein junger Kommunist beschreibt mit einem Stück Kohle die Wände seiner Zelle. Bratislava, kurz vor der Samtenen Revolution – ein Mann beschreibt seiner nach Westeuropa geflohenen Frau in Form von Wetterberichten sein untergehendes kommunistisches Land. Wien heute, keine Revolution – ein überforderter Sozialarbeiter versucht einen jungen Gewalttäter zu einer Aussage zu bewegen.
 
"Was bringt Menschen dazu sich zur Wehr zu setzen? Wann bringt ein repressiver Staat Widerstand hervor und gibt es einen solchen überhaupt, wenn keine Feindbilder existieren? Wie viel wiegt ein Wort, wenn nicht alles gesagt werden darf, und wie viel, wenn alles gesagt werden kann? Eben sprach ich mit einer Freundin über die aktuelle Situation in Ungarn, und dass Europa nur im Sprechen über den Euro vorkommt, aber eine Diktatur duldet. Mich mit Geschichte zu befassen hat nichts mit Vergangenheit zu tun, sondern mit einer Auflösung und Wiederholbarkeit von Zeit. Ich kann Dinge zu Hilfe nehmen, die bereits besser analysiert sind. Seltsamerweise fällt das Heute immer am ratlosesten aus. Diese Frage würde ich gern in den Raum stellen. Ich möchte wissen, woher meine Angst kommt. Eine Form von Widerstand ist vielleicht, Figuren im Widerstand zu erfinden." (Anne Habermehl)

"Historische Brücken und Brüche sind es, auf die das Schauspielhaus Wien in dieser Saison den Fokus richtet. (…) Gideon Maoz spielt innerhalb einer knappen Stunde drei Rebellen aus drei Jahrzehnten: In der ersten Szene ist er ein Kommunist, der 1918 in einem Wiener Polizeigefängnis verhört wird; in der zweiten ein Slowake, der kurz vor der Wende bittere Briefe an seine in den Westen geflohene Ex-Freundin schreibt; in der dritten ein Halbwüchsiger von heute, der im Frust ein Mädchen verletzt hat. (…) Bemerkenswert ist der kleine Abend vor allem als Talentprobe für einen begabten jungen Schauspieler. "
Süddeutsche Zeitung

"Mit der Interpretation eines wütenden Jungen aus zerrütteten Familienverhältnissen, der mit sich und seiner Wut nichts anzufangen weiß und ein junges Mädchen vergewaltigt und schwer verletzt, schlüpft Maoz an diesem Abend in seine dritte Rolle und keine davon scheint ihm nicht auf den Leib geschrieben. Die Produktion, für
welche die junge Autorin auch als Regisseurin verantwortlich zeichnet, hat aber noch viel mehr zu bieten als eine schauspielerische Glanzleistung in einem stimmigen Surrounding. Anne Habermehl gelingt es mit den drei Monologen den Bogen vom Beginn bis zum absoluten Ende der kommunistischen Idee zu spannen und lässt das
Publikum in einem Jetztzustand, der von allen zwar wahrgenommen wird, nicht jedoch gedeutet werden kann. Habermehls brillante szenische Aneinanderreihung von unterschiedlichen Schicksalen aus unterschiedlichen Epochen stellt einmal nicht eine Kapitalismuskritik in den Vordergrund, sondern richtet den Blick vielmehr auf die
immanente Geschichtlichkeit jeder Zeit, auch der Unsrigen. Sie deutet an, dass nichts so bleibt, wie es ist – und das ist das einzig Tröstliche an diesem Abend. Auch unser jetziges kapitalistisches System wird einmal Geschichte sein."
European Cultural News

"Ein beängstigender Befund, bravourös ausgestellt von Hauptdarsteller Maoz."
Kurier
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