Ich war nie da

© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Gabriel von Berlepsch, Veronika Glatzner© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Susi Stach, Gideon Maoz, Gabriel von Berlepsch, Veronika Glatzner© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Susi Stach, Veronika Glatzner© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Susi Stach, Sebastian Zeleny, Gabriel von Berlepsch, Johanna Rehm, Veronika Glatzner© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Veronika Glatzner, Gideon Maoz, Gabriel von Berlepsch© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Gabriel von Berlepsch, Susi Stach
von Lukas Linder
Regie: Lilja Rupprecht

Premiere: 14. Februar 2013 / 20 Uhr
URAUFFÜHRUNG


Aufführungsdauert: 1 Stunde 25 Min., keine Pause
Der junge Schweizer Dramatiker Lukas Linder nahm in der Spielzeit 2009/10 am Schauspielhaus-Autorenförderprogramm stück/für/stück teil und gewann für seine in diesem Rahmen entwickelte Arbeit Ich war nie da das von Literar-Mechana gestiftete Hans-Gratzer-Stipendium. Ich war nie da ist eine Komödie, die in halsbrecherischem Tempo und mit viel Situationskomik den Leidensweg ihrer Protagonistin skizziert: Fandra Fatale, die allen lediglich als Projektionsfläche dient - als "wäre sie nie da" - , taumelt durch ihre persönliche Via dolorosa, von Freunden wie Familie eingeengt und domestiziert, einem Erwartungsdruck zwischen konformer Lebensführung und konventionellem Familienidyll ausgesetzt. Dabei bedient sich Linder des populären Motivs des Theaters-am-Theater, indem er eine Szene, die zum strukturierenden Element dieses Stücks avanciert, zahllose Male wiederholt und variiert, in der die Protagonisten für einen Theaterabend proben, den sie schließlich zur Aufführung bringen. Doppelbödig beschreibt der Autor dabei auch die instabilen Verhältnisse am Theater und schlägt aus den traditionellen Fragen nach der Qualität von (Laien-)Schauspiel, nach Regiekarrieren, Autorenschaft und Genieverdacht und nach der Verwechslung des Bühnengeschehens mit dem richtigen Leben sowie der Flucht aus dem Alltag in die Realität der Theaterarbeit einiges an Witz. Eine kauzige Komödie eines jungen Komödianten.


Am Anfang der Geschichte steht eine wundersame Rettung. Kurz vor dem Sprung ins Nichts wird Fandra Fatale noch einmal ins Leben zurückgeholt. Doch schon bald erweist sich diese Rettung als trügerisch. Die Flucht in bessere Umstände will Fandra nicht gelingen, da die Mittel zu dieser Flucht von eben diesen Menschen bereitgestellt werden, vor denen sie fliehen will. Ein Teufelskreis entsteht, der vielleicht mit einer tiefbürgerlichen Angst zu tun hat: Die Angst vor Veränderung, die Angst davor, sich zu entscheiden, weil jede Veränderung mit Selbstverlust und dem Sturz ins Bodenlose assoziiert wird. Das Bodenlose ist die Hölle. Warum dann also nicht in den Himmel fallen? Doch als Fandra das Fliegen lernt, wird diese wundersame Gabe von ihrem Umfeld mit größter Gleichgültigkeit, ja mit Zynismus wahrgenommen. Fliegen ist pathologisch. Wie alles Wundersame am Menschen pathologisch wäre. Käme heut einer des Weges und würde die Wahrheit Gottes offenbaren, man würde ihm so rasch wie möglich das Zwangsjäckchen anziehen. In diese Richtung gehen auch die Betonschuhe, die Fandra zu tragen verordnet werden, nämlich dass es Normalität nicht gibt, dass sie immer erst erzwungen werden muss. Dass diese Zwingkraft von Sprache ausgeht, habe ich in dem Stück, so scheint es mir heute, bis ins Bescheuerte hinein zu zeigen versucht.
(Lukas Linder)

"Der Schweizer Autor Lukas Linder, Jahrgang 1984, bedient sich in seinem absurden, tief traurigen und zugleich urkomischen, sprachlich ausgefeilten Konversationsstück Ich war nie da virtuos der bewährten Theater-auf-dem-Theater-Technik. Welch komödiantisches Potenzial in dem für das Schauspielhaus geschriebenen Text steckt, zeigt Lilja Rupprecht im Verschränken von Theater- und Lebensspiel in einer schwerelos wirkenden, dabei aber hintersinnigen Inszenierung, die sie als Abschlussprojekt ihres Regiestudiums an der Berliner Ernst Busch-Schule erarbeitete."
Wiener Zeitung

"Menschen, die Fandra Fatale oder Jorgos Brontosaurus heißen, gehören auf die Bühne. Sie ist Schauspielerin mit anstrengendem Familienanschluss (Mutter!) und er ein Regisseur, der der eigenen Genialität in großen Gesten auf der Fährte ist. Theater im Theater mit jugendlichem Temperament: (...) Vorhang auf, Vorhang zu, Musik laut, mittel, leise; Billigsdorferpuppen dienen als Staffage, überzeichnete Dialoge forcieren die Hektik, hysterische und neidvolle "Statisten" streifen durch das Bild. Es behält hier alles seinen Schwung. (...) Rupprecht reizt mit Slapstick das Spielfeld Theater aus (...). Eine lustige Freakshow."
Der Standard

"Imponierend die Darsteller: die zauberhafte Veronika Glatzner als Hauptdarstellerin Fandra, Gabriel von Berlepsch als nervös-schlacksiger Regisseur, Susi Stach als penetrante Mutter, aber auch Gideon Maoz und Sebastian Zeleny als Bühnenliebhaber und Johanna Elisabeth Rehm als Flegel. Ein effektvolles 85-Minuten Stück und ein von Hektik des Schauspielerteams geprägter Lacherfolg."
Kronenzeitung

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