Makulatur

© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Nikola Rudle, Steffen Höld, Katja Jung
© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Nikola Rudle, Steffen Höld, Katja Jung


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von Paulus Hochgatterer
Regie: Barbara-David Brüesch

 

URAUFFÜHRUNG

Premiere (Im Rahmen der Wiener Festwochen):
3. Juni 2012 / 20 Uhr

Wiederaufnahme-Premiere:
7. Dezember 2012 / 20 Uhr

Aufführungsdauer: ca. 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

 

Paulus Hochgatterer, Kinderpsychiater und einer der prononciertesten österreichischen Prosaautoren, untersucht in seinem Stück Makulatur, entstanden als Auftragswerk für das Schauspielhaus Wien, mit der ihm eigenen scharfsinnigen Komik, Mechanismen der Wahrnehmung und der Realitätsverweigerung - und den Blick in jenen Abgrund, den wir von ferne zu sehen beginnen, wenn wir uns zwingen, ganz genau hinzusehen.

 

Eine Frau lernt Techniken und Preise von Schönheitsoperationen auswendig. Ein Mann verfällt jenem Augenblick, in dem im Film unbemerkt die Überwachungskameras angehalten werden und für einige Sekunden Dinge passieren, die niemand ahnt. Die Angst eines Polizisten, keinen Parkplatz zu bekommen, nimmt ungeahnte Ausmaße an. Daneben geht ein Mädchen verloren. Entlang mehrerer, einander berührender Stränge wird die Frage nach der Bedeutung des allgemein Sichtbaren gestellt. Konstituiert tatsächlich nach wie vor die visuelle Oberfläche unser Denken, Fühlen und Handeln? Sind wir nicht vielmehr in ein perfektes Netz von Schein, Täuschung und Kontrolle eingesponnen? Hängen wir nicht alle an unsichtbaren Marionettenfäden - und ist nicht das, was wir großspurig unsere Identität nennen, längst bloße Chimäre?
 
Es sind Akte des Widerstandes und der Übertretung von Übereinkünften, die dem Menschen autonome Wahrnehmungs- und Spielräume schaffen bzw. bewahren: die Verweigerung der allgemeinen Aufgeregtheit; die Pflege der bloßen, sinnfreien Vorstellung; die wohlgesetzte brachiale Intervention; der nicht dem Schema entsprechende chirurgische Eingriff; schließlich das schlichte Verschwinden aus dem Blickfeld der Kameras. Das Mosaik aus teils stillen, teils bizarren Momenten der Anarchie, das in dem Stück gelegt wird, verweist den Zuschauer letztlich implizit auf jene Schlüsselszene in der menschlichen Entwicklung, in der das kleine Kind erstmals die Hand der Mutter verlässt, in ein anderes Zimmer läuft, sich umwendet und im Gewahrwerden, dass es niemand anderen mehr sehen kann, feststellt, dass es allein ist und zugleich vollkommen frei. (Paulus Hochgatterer)
 
Pressestimmen:
 
"Steffen Höld spielt diesen angeblichen Chirurgen Jablonski, der wahrscheinlich nur ein Aufschneider ist. (...) Eine einarmige Trafikantin (Katja Jung) ist bestohlen worden und kommt so in Kontakt mit der Polizei (Christoph Rothenbuchner, Franziska Hackl). Die beiden Beamten ermitteln auch wegen Kerstin (Nikola Rudle), die von ihren Eltern als vermisst gemeldet wurde, einer Lehrerin (Barbara Horvath) und einem Architekten (Max Mayer). Alle sind ein wenig schräg und zumindest latent aggressiv. (...) Höld und Jung sind Charakterköpfe, Hackl und der Grazer Gast Rothenbuchner setzen ihre Pointen genau, Mayer und Horvath reüssieren im Ehekrieg, Rudle spielt die Tochter erfrischend ernst. (...) Operation gelungen." Die Presse

"Mit einer Dramaturgie der Verknappung und Andeutungen treibt Paulus Hochgatter seine Figuren zur Demaskierung ihrer persönlichen Defekte. (...) Damian Hitz stellte ein doppelstöckiges Podest mit fünf Monitoren auf die Bühne, auf der Regisseurin Barbara-David Brüesch ihr wunderbares Ensemble strikt antinaturalistisch agieren lässt. Am Ende dieser Premiere gab es lebhaften Zuspruch und heftigen Applaus, auch für den Autor, der (...) den Theatern sprachlich wie dramaturgisch spannende Herausforderungen zu stellen imstande ist." Oberösterreichische Nachrichten

"Barbara-David Brüesch hat den abgründigen, aberwitzigen Text perfekt inszeniert. Auszucker verschiedenen Ausmaßes, latente Gewalt, unausgelebt gebliebenes Begehren haben eben auch komische Seiten. Und die Neurosen blühen. Das Schauspielhaus-Ensemble brilliert in gewohnter Weise, hervorragend ergänzt durch seine Gäste." Kurier
 
Eintrittspreise
Normalpreis 19,- Euro
SeniorInnen 15,- Euro
StudentInnen 10,- Euro

 

 

 

 

 
Premiere:

3. Juni 2012 / 20 Uhr, Eine Produktion im Rahmen der Wiener Festwochen



 
 


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