Der Geizige - Ein Familiengemälde nach Molière

© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Vincent Glander, Max Mayer, Johannes Zeiler, Veronika Glatzner, Katja Jung© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Vincent Glander © Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Vincent Glander, Max Mayer, Johannes Zeiler© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Max Mayer, Veronika Glatzner, Vincent Glander, Johannes Zeiler, Katja Jung© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Veronika Glatzner, Vincent Glander, Max Mayer© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Johannes Zeiler, Vincent Glander, Veronika Glatzner, Max Mayer, Katja Jung

von PeterLicht

Regie: Bastian Kraft

Premiere: 23. Februar 2012

ÖSTERREICHISCHE ERSTAUFFÜHRUNG

 
Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, keine Pause
Ein Klassiker am Schauspielhaus? Das Schauspielhaus ist doch Gegenwart! Ganz genau. Und so wird es bleiben. PeterLichts Familiengemälde ist auch nicht irgendeine Bearbeitung von Molières Klassiker, vielmehr eine Neudichtung, eine geistreiche und amüsante Überschreibung, die den Geizigen direkt ins dritte Jahrtausend und Harpagons Familie ins „Al Bundy-Land“ katapultiert. Sparzwang und Kapitalanhäufung sind nicht nur Themen von Molières Kapitalisten des 17. Jahrhunderts, sondern der Umgang mit Geld bestimmt auch die „Grundregeln der Existenz im postutopischen Zeitalter“. PeterLichts Geiziger ist ein Stück über Geld und Generationen: Die Alten haben das Geld und die Jungen wollen es haben, endlich den Lohn der Arbeit (anderer) einkassieren. Harpagons Kinder folgen einzig der Maxime „Erwachsensein im Kapitalismus heißt, einkaufen zu gehen“ und ignorieren den Grundsatz „Ohne Arbeit kein Lohn“. Geld offenbart sich anhand von Cléante und Elise einmal mehr als - wie Karl Marx es nannte - „chemische Kraft der Gesellschaft“, als „allmächtiges Wesen“, das unsere Beziehung zur Welt und zu unseren Mitmenschen regiert und Basis eines Systems ist, das nur eine Regel kennt: „Das Zeug muss fließen, das muss morphen.“ Geld ist nicht nur Maßeinheit, Zahlungsmittel, Objekt der Begierde, sondern die Vollendung der Warenform, es ist das „wahre Gemeinwesen“, „das Band aller Bande“. Doch was passiert, wenn jemand dieses Band durchtrennt und ein System, das auf Maßlosigkeit und Unmäßigkeit basiert, mit der Askese des Geizes konfrontiert?

 

Ich frage mich, welche Rolle Geld in meinen persönlichen Beziehungen spielt und stelle fest: Überall hat es seine Finger im Spiel, das Geld, selbst in der Liebe und in der Freundschaft und erst recht in der Familie. PeterLicht verhandelt diese Mechanismen von zwischenmenschlicher Abhängigkeit und Fürsorge am Familientisch, wo der reiche Vater auf die geldhungrige junge Brut trifft. Und während bei Molière der Alte der alleinige Buhmann ist und systematisch der Lächerlichkeit preisgegeben wird, kriegen hier auch die Jungen ihr Fett weg. Denn die Inkarnation des Kapitalismus ist in dieser Komödien-Überschreibung eben nicht der auf seinem Geld sitzende Vater, sondern die konsumgeilen Kinder, die sich selbst ausschließlich übers Kaufen definieren. Der Vater treibt sie in den Wahnsinn, indem er sich dem Zwang zur ununterbrochenen Zirkulation des Kapitals entzieht. Er möchte dabei nicht mitmachen. Er möchte sein Geld nicht eintauschen gegen Dinge und Dienstleistungen, er möchte es in seiner Reinheit als bloße Option, als Versprechen belassen. Geiz als Gegenmodell. Geiz als der Sand im Getriebe. Geiz als Widerstand. Und der Geizige als Antiheld einer Zeit, in der das Leben stillzustehen scheint, wenn der Geldfluss unterbrochen wird. (Bastian Kraft)
"Molières Geiziger glaubt in PeterLichts Adaption an den Kapitalismus als "reine Idee", ein sauberes Allheilversprechen ohne Unschärfen. (...) Bastian Krafts schlaue Inszenierung von PeterLichts Der Geizige - Ein Familiengemälde nach Molière verweigert die eindeutige Positionierung und öffnet geschickt das Spannungsfeld zwischen ideeller Eleganz und globaler Müllhalde, Recyclingromantik und Konsumgesellschaft." Nachtkritik

"Zeiler ist der Mittelpunkt eines fantastischen Ensembles, das den irrlichternden Satzschrauben mit hinterrücks einfallenden Pointen mehr als gewachsen ist. (...) Die frisch-leichthändige Inszenierung von Bastian Kraft und das originelle Bühnenbild mit dem dankenswert unverkopften Einsatz von Projektionen tun das Ihre, dass dieser Geizige eine (...) leuchtende Version geworden ist." Wiener Zeitung

"Regisseur Bastian Kraft pfercht das grell geschminkte Ensemble im Schauspielhaus auf engstem Raum zusammen und drückt aufs Tempo. Ergebnis ist eine hysterische Hochgeschwindigkeitskomödie, deren Geist und Energie an die Dramen von René Pollesch erinnern, die sprachlich und witztechnisch aber eigene Wege geht." Falter
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