der Garten

© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Christoph Roth, David Wukitsevits, Thiemo Strutzenberger, Werner Sturmberger
© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus / Christoph Roth, David Wukitsevits, Thiemo Strutzenberger, Werner Sturmberger


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von  Anja Hilling

Regie: Felicitas Brucker

Premiere: 10. Dezember 2011 / 20:00 Uhr

URAUFFÜHRUNG


Aufführungsdauer: ca. 1 Stunde 40 Min., keine Pause
 
Anja Hillings der Garten, entstanden als Auftragswerk für das Schauspielhaus Wien, erzählt die Geschichte einer Radikalisierung unter dem Druck der Natur. Ein Rockkonzert, das die Heldin dieses Stücks - sie ist Musikkritikerin - besucht, stellt die entscheidenden Weichen in ihrem Leben. Antonia und Sam begegnen einander, ziehen sich in den Garten des weltmüden Musikers zurück. Antonia, die Sams Spiel, seine Flüchtigkeit durchschaut und ihm dennoch unrettbar verfällt, nimmt Abschied von allem. Die Natur übt ihre Wirkung aus: Antonias Sehnsucht nach Neuem wächst mit dem Aufflammen ihres Begehrens ins Unermessliche, sie kündigt ihren Job, schwänzt ihre Geburtstagsparty, überlässt sich ihrer Liebe. Die Reflexion des laufenden Geschehens besorgen die Pflanzen, die sich in Sams Garten finden. Die Blumen, das Gesicht der Vegetation, bieten ihre eigene Show, sie intervenieren, analysieren, kommentieren, merklich eloquenter als die Menschen. Über ihren Beziehungsroutinen, ihrer Alterspanik und ihrer Lebensangst drohen die Menschen den Verstand zu verlieren; sie übersehen und missverstehen die Ein- und Übergriffe der Natur. Die Blumen hängen weniger am Leben als der Homo sapiens, das ist ihr Vorteil. So setzt der Garten einen Racheakt in Szene: Die Natur erweist sich im Kampf gegen die Menschenkultur als souverän. Mit trockenem Dialogwitz und in kühnen Zeitsprüngen dramatisiert Hilling die letzten Dinge: letzte Kontaktaufnahmen, letzte Worte und letzte Berührung. Selbst die Zusammenführung der Liebenden ist nur eine Laune der Natur. Dem Alleinsein ist nicht zu entgehen, mit bloßer Gesellschaft ist der Einsamkeit nicht beizukommen.

 

Theater lässt mich kalt, wenn es Theater bleibt, ich warte auf Wahrheit, will die Zeit vertiefen, nicht verlängern, den Raum vergrößern, nicht diskutieren, die Stühle stehen zu eng, der Boden reißt nicht auf, der Text kommt auswendig, die Seele pennt ein, Theater kickt mich, wenn es über Grenzen geht, mich verletzt und wegschießt, den Moment nimmt und daran zerbricht, ihn nicht halten zu können, ich schreibe fürs Theater, weil ich besessen bin von der Form, dem Witz des Körpers und anderer Grenzen, von der Sehnsucht, den unwiederbringlichen Augenblick zu fassen, weil ich verrückt bin nach Augen, von der Kraft gebannt, die hin- und herspringt zwischen der Brutalität der Welt und dem Wahnsinn der Gedanken, wenn zwei Menschen sich gegenüberstehen, ich fass es noch nicht, ich mach weiter, es wär so schön, den Kleingeist ins Universum zu werfen, eine Sekunde in die Ewigkeit und sie in die Tonne zu treten in dem Moment, in dem das Spiel beginnt, ich hab keine Ahnung, wer ich bin, was ich hier tu, und was ihr wollt, aber ich liebe das Zeug, und ich werde jeden lieben, der hört, dass ich schreie, mit freundlichen Grüßen Anja Hilling, 2011, Berlin.

Pressestimmen:

"Die Musikredakteurin Antonia (Nicola Kirsch, ganz toll) besucht das Konzert des Rockstars Sam Embers (Thiemo Strutzenberger, seine Band „Beautiful Boys“ begleitet ihn). (...) Er lädt Antonia zu sich ein, sie verliert im Garten die kritische Distanz, und bald liegen sie dort, (...) werden von zwei Polizisten entdeckt, deren profane Texte mitten im Morbiden einen Anflug des Komischen ahnen lassen (Vincent Glander und Steffen Höld spielen auch gekonnt die zwei Musikjournalisten Philipp und Sven als Borderliner). Antonia hingegen hat eine sehr reflexive Sprache, mehr noch als ihre Kollegen und ihr Freund Martin (Max Mayer) (...). Eine Stimme der Normalität scheint Edith (Veronika Glatzner) zu sein, sie ist Friseurin, aber eigentlich - Lyrikerin. Katja Jung spielt die zynische Chefredakteurin Henriette, die an Krebs leidet und sich en passant mit Martin einlässt - dessen Beziehung zu Antonia ist im Endstadium."
Die Presse


"Der Regisseurin Felicitas Brucker ist es gelungen, Hillings Garten eine Architektur zu verleihen und mit einer Band, den „Beautiful Boys“ und einem gut gestimmten Schauspielhaus-Ensemble einen spannenden Theaterabend daraus zu machen. (...) Die Aufführung im Schauspielhaus wurde von einem durchweg jungen Publikum gefeiert."
Süddeutsche Zeitung


"Anja Hillings ambitioniertes Stück wurde am Schauspielhaus Wien von einem wunderbar homogenen Ensemble und einer fantasiereichen Regisseurin als kleines Theaterereignis präsentiert." Deutschlandfunk

 

 
Premiere:

Sa, 10. Dezember 2011



 
 


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