Die Pappenheimer oder Das O der Anna O.

© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus  <br> Nicola Kirsch, Vincent Glander, Veronika Glatzner, Ingo Tomi
© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus
Nicola Kirsch, Vincent Glander, Veronika Glatzner, Ingo Tomi


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von Franzobel
Regie: Jan-Christoph Gockel

 

Premiere: 4. November 2010 / 20:00 Uhr

Spieldauer: ca. 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

 

Eine Koproduktion mit der Volksbank Wien
URAUFFÜHRUNG

 
Bertha Pappenheim (1859-1936) war nicht nur Anna O., die „Urpatientin“ der Psychoanalyse, deren Fall Josef Breuer und Sigmund Freud in ihren Studien über Hysterie beschrieben, sondern später auch eine bedeutende Sozialpionierin und Gründerin des Jüdischen Frauenbundes, die gegen Prostitution und für die Rechte der Frauen kämpfte und somit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Geschlechterpolitik leistete.
Als junge Frau wurde bei Bertha Pappenheim „Hysterie“ diagnostiziert, was lange Zeit als eine ausschließlich bei Frauen auftretende psychische Störung verstanden wurde, die bestens in die Vorstellung von der Frau als „Geschlechtswesen“ passte. Ihr Leben als Tochter aus wohlhabendem Hause war, entsprechend den damals herrschenden Traditionen und vorgegebenen Geschlechterrollen, streng eingeengt: Hausarbeit, Heirat, Gebären von Kindern waren die Ziele im Leben einer Frau, während Ausbildung, Beruf, Geld verdienen den Männern vorbehalten war. In der Person von Bertha Pappenheim wird der Zusammenhang von Geschlecht, Geld und Politik deutlich, eine Verbindung, die bis heute nichts von ihrer sozialpolitischen Brisanz verloren hat. „Gender Mainstreaming“ und „Gender Budgeting“ sind die aktuellen Schlagworte dazu. Und nach wie vor gilt: Die Politik der Geschlechter ist eine Politik des Geldes.

 

Anlässlich des Neubaus der Volksbank-Zentrale im Neunten Bezirk schreibt Franzobel eine Revue über die Geschichte dieses Hauses, in dem unter anderen die als Anna O. in die Geschichte der Psychoanalyse eingegangene Bertha Pappenheim gelebt hat. Hier hat Josef Breuer sie behandelt, hat sie ihre „Redekur“ entwickelt, schwarze Schlangen halluziniert und eine Scheingeburt durchlitten, hier wurde quasi der Grundstein der Psychoanalyse gelegt.
Das Stück erzählt von den Geistern dieses Hauses, von der unmöglichen Liebesgeschichte zwischen der ersten Patientin der Psychoanalyse und ihrem Arzt, ebenso wie von einem Juden, der sich hier während der Nazizeit in einem Kohlenkübel versteckt gehalten hat, von Hausbesetzern, Bankräubern, Sekretärinnen, exaltierten Generaldirektoren und einem gekündigten Nachtwächter.
Das Stück geht der Frage nach der Freiheit des Einzelnen im Widerspruch zu Konventionen und Geschichte auf den Grund und verspricht eine moderne Geisterstunde. Nebenbei ist es auch ein Stück über die Geldwirtschaft. (Franzobel)

 

 
Premiere:

Do, 04. November 2010



 
 


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