Grillenparz

© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus  <br> Veronika Glatzner, Thiemo Strutzenberger, Franziska Hackl, Vincent Glander, Barbara Horvath
© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus
Veronika Glatzner, Thiemo Strutzenberger, Franziska Hackl, Vincent Glander, Barbara Horvath


1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11



von Thomas Arzt
Regie: Nora Schlocker

 

Premiere: 14. April 2011
URAUFFÜHRUNG

 

Aufführungsdauer: ca. 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause

 

Ausgezeichnet mit den Nestroy 2011:

Franziska Hackl (Bester Nachwuchs), Max Mayer (Bester Schauspieler)

 

Am Grillenparz, dem Hügel, der noch nicht Berg und nicht mehr Flachland ist, treibt eine Sommerfestgesellschaft der Wiederholung ihres eigenen Verbrechens zu. Von Politik wird hier nicht geredet, dazu schmecken Bier und Sau zu gut. Es soll nicht um gesellschaftliche Probleme, sondern um geselliges Beisammensein gehen! Damit wird Grillenparz zur privatpolitischen Groteske über Menschen, die ihre Wunden in keiner Öffentlichkeit mehr bereden, sondern in den blutroten, heimatlichen Bächen im Wald ertränken. Die Vergangenheiten nicht überwinden, sondern zwangsläufig erneuern. Und deren Verantwortung dort endet, wo die Leichen begraben liegen. Grad so, wie's der Chor der Grillen zirpt:

Obmstehiaufdahä. Obischauiiüberslaund. Außischauibiszuagrenz. Drüberschauiobanet. Zubischauizudeleidl. Einischauiindehittn. Drunterschauiuntadbettn. Weggaschauiwaunswostinkt.

 
Die politische Leerstelle ist in Grillenparz ein kollektives Heimatverbrechen. Niemand scheint darüber zu reden. Alle wollen ihm entfliehen. Und jeder würde es wieder tun. Tatort ist eine voralpine Binnenwelt. Zwischen Zivilstadt und Wildland. Zwischen Geldmensch und Geiltier. Zwischen Schweißbadetag und Spätsommernacht. Bestimmt in einer Binnensprache. Nicht mehr Volksmaul, noch nicht Staatsnorm. Nicht mehr Rohschnitt, noch nicht Figurenfleisch. Nicht mehr Naturgesetz, noch nicht Moral. Welche Moral auch? Die des Jägers am Hochstand, der aufs Wild lauert und die Schlechten von den Guten sortiert? Die des Geldes, das im alljährlichen Firmenfest versoffen wird und die Schwachen von den Starken scheidet? Oder die des Gewissens, das hinter dem Schweigen lauert und die Vergessenden von den Erinnernden trennt?

(Thomas Arzt)

Thomas Arzt war in der Spielzeit 10/11 Hausautor am Schauspielhaus Wien, nahm in der Spielzeit 07/08 an stück/für/stück teil und gewann mit seinem Stückentwurf Grillenparz das von Literar-Mechana gestiftete Hans-Gratzer-Stipendium, welches ihm ermöglichte, sein Stück fertig zu schreiben.

 

Pressestimmen:

 

"In Grillenparz (...) trifft sich eine Was-auch-immer produzierende Firma zur jährlichen Firmenfeier am stadtnahen Hügel "Grillenparz“ und säuft sich nach Firmentradition um den Verstand und - vor allem - um das Erinnern, das bekanntlich Hemmungen evozieren würde. (...) Die wichtigsten Figuren dafür sind auf der Bühne: Hirsch, die Personalchefin (Barbara Horvath), der Betriebsrat Stieringer (Thiemo Strutzenberger), zwei mittlere Angestellte - Winni von hie und Bambi von dort (Vincent Glander, Veronika Glatzner) und Flora, eine Arbeiterin (Franziska Hackl). (...) Mit dem Jäger namens Fischer (Max Mayer) steht zusätzlich eine gespenstige Figur im Szenario, die seltsam die Brücke zwischen der "Natur" und der Firmengeschichte zu schlagen scheint. Er philosophiert über die menschliche Natur und meldet als Ultra-Einzelgänger und Außenseiter sein generelles Misstrauen an. (...) Kaum zuvor hat sich angewandte Brutalität so zwingend auf die Bühne verirrt. Großes Kompliment an eine durchwegs junge Performanceriege." nachtkritik.de

"Grillenparz war ein bemerkenswerter Abend in einem Haus, das sich so keine andere Stadt leistet und auf das sich Wien etwas zugutehalten kann. Ein Haus der neuen Dramatik." Süddeutsche Zeitung

 
Premiere:

Do, 14. April 2011



 
 


facebook           twitter           YouTube
 



Bg