Bruno Schulz: Der Messias

© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus <br> Max Mayer, Steffen Höld, Vincent Glander, Katja Jung, Nicola Kirsch
© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus
Max Mayer, Steffen Höld, Vincent Glander, Katja Jung, Nicola Kirsch


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von Małgorzata Sikorska-Miszczuk
Regie: Michał Zadara

Premiere: 9. Oktober 2010 / 20:00 Uhr

Spieldauer: ca. 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause


URAUFFÜHRUNG

 
Was passiert, wenn sich heute eine Gruppe von Menschen, darunter eine Unterstaatssekretärin des polnischen Kulturministeriums, eine Regisseurin, eine Autorin und ein Geheimagent, aufmacht, um nach dem Messias zu forschen, dem legendären, verschollenen Roman des polnisch-jüdischen Autors Bruno Schulz? Aber warum sollten sie das überhaupt tun? Sind doch alle Annahmen, was den Inhalt des Buches betrifft, reine Spekulation, denn es ist nur der erste Satz überliefert und auch der ist höchstwahrscheinlich eine Fälschung. Doch gerade die Möglichkeit, alles in dieses Buch hineinprojizieren zu können, macht sein Faszinosum aus. Die Suche oder das Warten auf den Messias scheint wichtiger als das Finden zu werden. Für jeden der Suchenden bedeutet Der Messias zwar etwas anderes, aber eine Gewissheit haben sie alle gemeinsam: Wenn man ihn findet, werden alle Fragen beantwortet sein.

 

Michał Zadara und Małgorzata Sikorska-Miszczuk begeben sich auf Spurensuche und geraten dabei unausweichlich tief in die Geschichte Kakaniens, Polens und Österreichs und in die Auseinandersetzung mit der politischen Dimension des Begriffes "Messias" hinein. Politik, Haltung und Schreiben sind im Leben und Werk von Bruno Schulz untrennbar miteinander verbunden. Die Strahlkraft seines Romans macht einmal mehr bewusst, wie sehr die Vergangenheit Teil der Gegenwart ist. Vielleicht liegt es nicht in unserer Macht, den Messias zu finden, aber was man tun kann, ist, ihn nicht zu vergessen.

Das Manuskript von Schulzens opus magnum Der Messias ging im Zweiten Weltkrieg verloren, der Autor wurde 1942 im Ghetto von Drohobycz erschossen. Bis heute tauchen immer wieder Gerüchte über den Verbleib des Romans auf, doch bisher führte keine der Spuren zum "Gral". Ein Krimi ohne Auflösung.

 

Ich wollte den Messias nicht für Bruno Schulz schreiben, wollte mir nicht vorstellen, was sein Inhalt sein könnte und ihn wie Schulz schreiben. Stattdessen wollte ich herausfinden, was für ein Ziel sich Schulz gesetzt hatte, als er den Messias plante. Wollte er ein perfektes Buch schreiben? DAS Buch? Mich interessierte, wer und warum man heute nach dem Messias suchen würde, und was die Konsequenzen wären. Darüber hinaus ist es der Versuch - zusammen mit Michał Zadara, den "Göttlichen Plan" zu erfüllen. Da dieser es nicht zugelassen hat, dass Der Messias zu Schulzens Lebzeiten erscheint, bedeutet das, dass es SEIN Plan war, dass Der Messias erscheinen sollte, wenn seine Zeit kommt. Also beschlossen wir, dass seine Zeit gekommen ist.
(Małgorzata Sikorska-Miszczuk)
 
Premiere:

Sa, 09. Oktober 2010



 
 


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